848 – Ein Wintermärchen

Ihr kennt das alle – wir stellen unser Baby zum Saisonende in die Garage und freuen uns auf lange Abende und verregnete Wochenende, die mit Reinigungs- und Verschönerungsarbeiten ausgefüllt sind.
Bei mir war es so und als ich einige Wochen später meine Bella von den Dreckresten der letzten Ausfahrt befreite, sah ich einen Tropfen am Auspuff unterhalb der Ölwanne und einen Fleck unter dem Mopped. Ein Geschmacks- und Abriebtest ergab, es war kein Öl, der Farbe nach musste es sich um Kühlflüssigkeit handeln.
Trocken gerieben, Stelle gemerkt, einige Tage später nachgeschaut – wieder Tropfen – diesmal sogar mehr.
Den freundlichen nach einem Werkstatttermin gefragt, keinen in annehmbarer Zeit bekommen, was nun ?
Als Nichtschrauber fiel mein Anfangsverdacht auf den Ausgleichsbehälter als potentielle Leckstelle.
Nur, wie kommt man da hin ? Das Ding ist niedlich unter der Airbox zwischen liegendem und stehendem Zylinder platziert.

Wozu bin ich Mitglied in einem DOC ? Ich schilderte das Problem einem erfahrenen Clubfreund. Der grinste mich an und meinte, 848 – hm.. wozu zum freundlichen, das kannst du auch selber rausfinden, ich helfe dir. Und so begann es, mein ganz persönliches Wintermärchen….

Eine Bühne, eine vernünftige Wärmequelle und, superwichtig, eine gute Beleuchtung sind, neben einer Grundausstattung an Werkzeug Voraussetzung, wenn du nicht Verrenkungen auf kaltem Beton machen willst.
An Werkzeug half ein kleiner Proxxon Knarrenkasten 1/4″, diverse Stecknüsse 1/2″ nebst Knarren und Verlängerungen und ein Louis Set von Ring- und Maulschlüsseln.
Aus dem Internet kamen ein Werkstatthandbuch und die Explosionszeichnungen und Teilelisten von Stein-Dinse, dann noch diverse Behälter für Teile (auch sehr zu empfehlen, wie überhaupt Ordnung das A & O dieses Vorhabens war.)
Für einen Luschen wie mich echt ein Problem.
Woher ich das alles wusste – von besagtem Clubfreund, der Feuer und Flamme für das anstehende Vorhaben war – ganz im Gegensatz zu mir. Je länger ich über das geplante Vorhaben „Suche nach einer Leckstelle für Kühlflüssigkeit“ nachdachte, desto lauter wurde die Stimme “ lass es den Freundlichen machen, der kann das…“. Nichts da sagte der Clubfreund, Du kannst das auch, trau dich. Also traute ich mich.

Gesagt getan, Verkleidung ab, Cockpit ab, RAM-Airs raus, Tank runter – kein Zugang zum Ausgleichsbehälter gefunden, dafür jede Menge Restdreck, trotz vorangegangener Wäsche, die Airbox muss raus.
Der Ausgleichsbehälter – alles so wie es sein muss – also weitersuchen. Und – siehe da, Kühlflüssigkeitsaustritt am Übergang vom Zylinder zum Motorgehäuse. Hm.

Jetzt alles wieder zusammenbauen und die Karre zum freundlichen ? Nix da sagt mein Guru, „wenn Du schon dabei bist, dann kannst Du auch den Motor ausbauen, ich hab da ein Aufnahmegestell, damit ist das kein Problem…und schau doch mal, wie schmutzig dein Motorrad in den ganzen versteckten Winkeln ist..“
Nur, wie bekommt man einen Motor aus einer Duc, wenn man sie nicht anheben kann ?

Ganz einfach, Schwinge hinten ausbauen, (wie kann eine Schwinge nur so voll Kettenschmiere sein, sieht man gar nicht, wenn das Hinterrad drin ist) und den verbleibenden Rahmen über den Motor heben.

Den Motor zerlegten wir mangels Werkzeug, Platz und Know-How nicht sondern überliessen diesen Job dem freundlichen.

Ich widmete mich, immer unter sachkundiger Anleitung, (also DAS Teil muss ja nun unbedingt noch sauberer werden….) weiter der Totalrevision eines Motorrades.
So langsam fing die Sache an, Spaß zu machen. Kaum zu glauben, wieviel Dreck sich IN einer Einarmschwinge ansammeln und wie bombenfest ein Exzenter bei einer Maschine mit 14K Km sitzen kann, die regelmäßig von einem Ducati Händler gewartet wurde…mit Gummihammer, reichlich WD-40 und nach gründlicher Reinigung ließ sich das Teil wieder leicht per Hand bewegen. Und wo die Schwinge sowieso draussen ist, was ist eigentlich mit dem Federbein….und mit der Gabel ????

So, jetzt kann ich überall putzen…..

Die Zeit bis zur Rückgabe des Motors und der Fahrwerkteile nutze ich, um das, was von meinem Mopped noch übrig war, unter der kritischen Anleitung meines Gurus, einer gründlichen Reinigung zu unterziehen.

Einige Wochen später begann der spannendste Teil der Aktion – der Zusammenbau.
Auch da war ich nicht alleine, der, der mich zu diesem Abenteuer überredet hatte, stand bei jedem Arbeitsschritt mit konstruktiver Kritik hinter mir (dieser Bolzen muss mit Drehomoment 22 angezogen werden..) und baute mich wieder auf, wenn mir eine Schraube zum vierten Mal an eine schwer zugängliche Stelle gefallen war.

Drei Monate nach Beginn der Arbeiten stand die 848 wieder in vollem Glanz, instandgesetztem Motor und überarbeitetem Fahrwerk da.

Ohne die Unterstützung von Rico, einem Genie in Sachen Ducati und einem Pedanten, der einen zur Weissglut bringen konnte (neee, der Kettenschutz ist nicht 100%ig gerade, den bau noch mal neu an), wäre das alles nicht möglich gewesen. Danke Rico für Deine Geduld und Deine Hartnäckigkeit, meine Fehler immer wieder zu korrigieren.

Dank auch an Mika für Deine Bereitschaft, mir aus Deinem unerschöpflichen Werkzeugfundus auszuhelfen, wenn mal wieder ein teil bei mir fehlte. (Jetzt ist für die 848 wirklich alles komplett bei mir 🙂

Fazit:

Der Winter 2021 kommt, und da ist noch eine alte 996, die müsste mal saubergemacht werden……..,